Ein laufendes Journal zu Normen, Regulatorik, Sicherheit und künstlicher Intelligenz — geschrieben aus der Perspektive der operativen Versicherungs-IT.
RClassic oder RNext? Warum fachliche Reife über die richtige Normgeneration entscheidet
Ein Beitrag zur Standardisierung und Schnittstellenarchitektur in der deutschen Versicherungs-IT
20 Jahre BiPRO – dieses Jubiläum stand im Zentrum des BiPRO-Tags 2026 im Dorint Kongresshotel Düsseldorf/Neuss. Mit rund 500 Teilnehmenden, über 40 Referentinnen und Referenten und mehr als 300 Mitgliedsunternehmen ist der Verein längst zur zentralen Instanz für digitale Standards in der Versicherungswirtschaft geworden. Doch neben dem Rückblick dominierte, neben künstlicher Intelligenz, ein weiteres zukunftsgerichtetes Thema die Vorträge: das Verhältnis zwischen der etablierten Normgeneration RClassic und der neueren Generation RNext.
KI trifft BiPRO-Normen: Warum strukturierte Schnittstellen erst automatisierte Sachbearbeitung ermöglichen
Künstliche Intelligenz war das beherrschende Thema des BiPRO-Tags 2026 – und das ausgerechnet im Jubiläumsjahr, in dem der BiPRO e.V. sein 20-jähriges Bestehen feierte. Auf den ersten Blick mag das überraschen: Wozu braucht es einen zwei Jahrzehnte alten Schnittstellenstandard, wenn moderne KI-Systeme angeblich auch unstrukturierte Daten verarbeiten können? Die BiPRO-Community vertrat auf dem Event jedoch eine klare Gegenposition: Künstliche Intelligenz ersetzt Standards nicht – sie macht sie wichtiger denn je. Denn leistungsfähige KI-Systeme benötigen strukturierte, qualitätsgesicherte und semantisch eindeutige Daten, um verlässlich zu funktionieren.
Warum BiPRO kein IT-Projekt ist, sondern Chefsache
In vielen kleineren Maklerhäusern und Versicherungsunternehmen wird die Frage der BiPRO-Anbindung noch immer an die IT-Abteilung delegiert – oder an den externen Dienstleister, der ohnehin schon das Maklerverwaltungsprogramm (MVP) betreut. Das ist nachvollziehbar, denn BiPRO klingt nach Technik: Schnittstellen, Normen, Datenformate. Doch dieser Reflex führt regelmäßig zu einem teuren Denkfehler. BiPRO ist kein Gesetz und kein fertiges Produkt, das man einfach kauft und installiert – es ist ein freiwilliger Branchenstandard, dessen Nutzen sich erst durch bewusste unternehmerische Entscheidungen entfaltet.
API-first in der Assekuranz: Warum Schnittstellenarchitektur über Time-to-Market entscheidet
APIs galten in der Versicherungswirtschaft lange als rein technisches Detail – ein Mittel, um Systeme intern miteinander zu verbinden. Diese Sichtweise hat sich grundlegend gewandelt. APIs sind längst nicht mehr nur technische Werkzeuge, sondern hochstrategische Unternehmensressourcen, die Umsatzwachstum, Innovation und Marktpositionierung direkt beeinflussen. Der weltweite Markt für API-Management wird 2026 auf über 16 Milliarden US-Dollar geschätzt, bei einer jährlichen Wachstumsrate von rund 34 Prozent (Quelle: Orbilontech) – ein Indikator dafür, wie sehr sich API-Architektur von einer IT-internen Frage zu einem eigenständigen Geschäftsthema entwickelt hat.
Zertifiziert, aber sicher? Was ISO 27001 & TISAX für Versicherungs-IT-Dienstleister wirklich bedeuten
Wer als IT-Dienstleister im Versicherungsumfeld tätig ist, kommt an Sicherheitszertifizierungen kaum vorbei. Ausschreibungen verlangen sie, Auftraggeber setzen sie als Vertragsvoraussetzung, und Vorstände verweisen gerne auf sie als Beleg für "geprüfte Sicherheit". Doch in der Praxis herrscht häufig Unklarheit darüber, welches Zertifikat für welchen Zweck tatsächlich relevant ist – und was ein Zertifikat leisten kann, was es aber eben auch nicht kann. Besonders die Verwechslung von ISO 27001 und TISAX führt in der Versicherungsbranche regelmäßig zu Missverständnissen.
DORA in der Praxis: Was Versicherer und IT-Dienstleister 2026 wirklich beachten müssen
Seit dem 17. Januar 2025 gilt der Digital Operational Resilience Act (DORA) unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten. Für Banken, Versicherer, Zahlungsdienstleister und weitere Finanzunternehmen endete damit eine jahrelange Vorbereitungsphase. Doch 2026 hat sich der Charakter der Verordnung spürbar verändert: Aus reiner Dokumentationspflicht wird aktive Aufsicht. Die BaFin hat 2026 unmissverständlich zur Bewährungsprobe erklärt – geprüft wird nicht mehr, ob DORA implementiert wurde, sondern wie stringent.
Legacy-Systeme in der Kernversicherung: Sanieren, ablösen oder kapseln?
Versicherungsunternehmen gehörten zu den Pionieren der digitalen Datenverarbeitung – und genau das wird zunehmend zur Last. Die frühe Technologisierung der Branche bedeutet heute, dass viele Kernversicherungssysteme über Jahrzehnte organisch gewachsen sind, statt grundlegend modernisiert zu werden. Das Ergebnis: hochkomplexe, schwer wartbare Systemlandschaften, die den heutigen Anforderungen an Flexibilität, Geschwindigkeit und externe Zusammenarbeit nicht mehr gerecht werden. Selbst scheinbar einfache Anpassungen können dabei enormen Aufwand verursachen, weil Daten redundant angelegt sind und an vielen Stellen gleichzeitig gepflegt werden müssen.
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